100 Jahre Mosse-Straße

Aktuell: Wir müssen die ursprünglich für den 31. Mai 2020, dem 100. Jahrestag der Benennung der Rudolf-Mosse-Straße, geplante Ausstellungseröffnung, ebenso wie Führungen und Vorträge und das für den 14. Juni geplante Fußballturnier leider absagen. Wie geht es weiter? Wir entscheiden am 25. Juni 2020, ob wir angesichts der dann zu erwartenden Auflagen für Veranstaltungen und für Sport die Ausstellungseröffnung am 8. September 2020, dem 100. Todestag von Rudolf Mosse, und das Fußballturnier am 23. September 2020 nachholen. Vorträge und Veranstaltungen würden dann während dieser beiden Wochen stattfinden.

Wer war Rudolf Mosse?

In der Kaiserzeit baute der deutsch-jüdische Verleger Rudolf Mosse (1843-1920) in Berlin ein gewaltiges Presse-Imperium auf. Flaggschiff war das liberale „Berliner Tageblatt“. Der Unternehmer spendete einen großen Teil seines Vermögens für wohltätige und kulturelle Zwecke, möglicherweise auch für die Einrichtung von Sportstätten auf dem „Exer“, dem Gelände des heutigen Jahn-Sportparks.

Wo war die Rudolf-Mosse-Straße?

1920 erhielt der südliche Teil der Sonnenburger Straße den Namen „Rudolf-Mosse-Straße“. Die Nazis hoben 1935 die Benennung auf und trieben die jüdische Familie ins Exil. 1950 wurde das Gelände des Exer eingeebnet und die Mosse-Straße verschwand unter einer dicken Schicht Trümmerschutt, auf dem alsbald ein neues Stadion entstand.

Spuren der Rudolf-Mosse-Straße im Jahn-Sportpark: Östlich des Stadions liegt die ursprüngliche Straßenebene nur knapp unter der heutigen. Durch eine Aussparung sind alte Kanaldeckel erreichbar.

Was wollen wir?

Bis heute hängt die kollektive Erinnerung schief: Der Sportpark trägt den Namen des wegen seines Antisemitismus umstrittenen Friedrich Ludwig Jahn, die Max-Schmeling-Halle den des Boxidols, der sich zeitweise von der Nazi-Propaganda vereinnahmen ließ. An den großzügigen jüdischen Mäzen erinnert nichts. Das wollen wir ändern.

Wer sind wir?

Wir, das ist eine Gruppe von Leuten, die sich auf Initiative des Berliner Schriftstellers Holger Siemann seit einiger Zeit trifft. Wir wollen das Gedenken an den Mitbürger Rudolf Mosse nicht mit einem Gedenkstein erledigen, sondern einen Prozess der Erinnerung einleiten, bei dem Nachbarn, Historiker, Sportler, Fans und andere Nutzer des Sportparks mitmachen können.

Wie geht es weiter?

Wir wollen herausfinden und öffentlich darstellen, warum Mosse gerade für den Exer gespendet hat, welche Rolle jüdische Mäzene im Berliner Sport und jüdische Sportvereine auf dem Exer spielten, wie die Mosse-Straße aussah und wie wir angesichts des bevorstehenden Stadionumbaus über die Erinnerung an Rudolf Mosse mitbestimmen können.

Am 31. Mai 2020 jährt sich die Benennung der Straße zum 100. Mal.